kommunal.de: Digitalisierung in der Pflege

kommunal.de berichtet über unseren Verein:

Der Verein „Dein Nachbar e.V.“ ist ein Netzwerk von Helfern, die pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen im Alltag helfen. Digitalisierung ist für solch Ehrenamtliche enorm hilfreich, so ihr Vorsitzender Thomas Oeben im KOMMUNAL-Interview.

KOMMUNAL: Herr Oeben, wie verbinden Sie Menschen heute digital miteinander?

Thomas Oeben: Nach persönlichen Gesprächen hinterlegen wir das Profil aller Helfer in unserem System. Notiert werden dabei Tätigkeitsfelder, Zeitfenster, Qualifikationen und Einsatzorte. Entsprechend kategorisieren wir unsere pflegebedürftigen Klienten. Nach automatisiertem Abgleich werden per App oder SMS nur die Helfer angefragt, die passen. Alle Zu- und Absagen erscheinen dann auf dem Bildschirm des Koordinators. Basierend auf Bewertungen, Auslastungen und Softskills wählt dieser dementsprechend den optimalen Helfer aus. Die anderen bekommen elektronisch freundliche Absagen. Am Monatsende rechnen wir auf Knopfdruck mit den verschiedenen Leistungsträgern ab und lösen die Aufwandsentschädigungen aus.

 

Was sind die Vorteile dieses zentralisierten Online-Managements?

Es kommt gut an, ist bequem und trifft den Zeitgeist: Viele sind bereit, sich für andere einzusetzen. Sie wollen aber nicht die komplette Versorgungsverantwortung unternehmen, sondern auch ungezwungen ihren eigenen Interessen nachgehen. Keiner muss sich rechtfertigen oder für Ersatz sorgen, wenn er in den Urlaub fährt. Helfen wird hier nicht zur Last, sondern zur Lust.

 

Die Pflege ist für jede Kommune ein wichtiges Thema. Was bedenken Städte und Gemeinden in diesem Bereich zu wenig?

Die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt. Im Jahr 2030 wird jeder Siebente auf Unterstützung im Alltag angewiesen sein. Jede Gemeinde weiß also um die aufkommende prekäre Versorgungssituation. Unserer Meinung nach wird darauf aber nicht mit der nötigen Geschwindigkeit reagiert. Um nicht auf eine Katastrophe zuzusteuern, ist es jetzt notwendig, ausreichende Versorgungsstrukturen zu schaffen.

 

Woran hapert es denn?

Die aktuelle Versorgungssituation ist intransparent. Welche Bürgermeister wissen denn, wie viele hilfsbedürftige Menschen es im Ort gibt und wie zufrieden sie mit ihrer Versorgung sind? Wie viel Zeit vergeht, bis jeder das bekommt, was er benötigt? Zudem sind pflegende Angehörige nicht in Lobby-Vereinen organisiert. So können sie weder ihre negativen Erfahrungen gebündelt äußern, noch wirksam notwendige Verbesserungen einfordern. Um die Versorgung künftig sicherzustellen, müssen wir aber wissen: Wer leistet was? Dazu gehört es, Innovationen aus anderen Bereichen zu nutzen. Gerade im Sozialen sollten digitale Möglichkeiten gefördert und sich logistischer Kompetenzen anderer Bereiche bedient werden.

 

Wie funktioniert das?

In traditionellen Logistik-Domänen gibt es klare Service-Vereinbarungen. Alle Prozessschritte werden zeitlich erfasst, Ergebnisse gemessen und jeder weiß, wann was kommt. Selbstverständlich ist, dass wir ein Buch zu 98 Prozent innerhalb eines Tages geliefert bekommen. Wer aber plötzlich Unterstützung benötigt, weiß nicht mal, an wen er sich überhaupt wenden kann. Wer irgendwann seine passende Hilfsorganisation gefunden hat, erlebt, dass innerhalb der nächsten 24 Stunden gar nichts passiert. Unser interdisziplinärer Ansatz aus Pflege, Ehrenamt, Logistik und Digitalisierung hilft bei der Lösung des Pflegenotstandes und der Versorgung Hilfebedürftiger. Damit erreichen wir auch, dass wir stärker zusammenrücken und uns füreinander einbringen.

 

Wo steuern Sie künftig hin?

Mir war klar, dass wir zuerst in Vorleistung gehen müssen, um uns zu beweisen. Nun wurden wir mit dem deutschen Exzellenz-Preis für Service-Qualität ausgezeichnet und konnten unser Netz über ganz München ausbreiten. Doch unsere Vision ist der Aufbau eines deutschlandweiten, sozialen Unterstützungsnetzwerkes. Aus ihm sollen Bedürftige innerhalb von 24 Stunden all die Hilfe bekommen, die sie benötigen. Für all das bräuchten wir aber mehr Unterstützung: von der Politik, den Unternehmen und der Gesellschaft. Vor allem finanziell. Zum Beispiel für den Aufbau eigener Niederlassungen und um bereits existierende Nachbarschaftshilfen zu professionalisieren und sie als Kooperationspartner zu gewinnen.

Den ganzen Artikel finden Sie unter folgendem Link: https://kommunal.de/digitalisierung-pflege

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